Marian Williams – blog:kaatibun movies and more

September 12, 2013

Klassenkampf im Weltraum – Review: ELYSIUM

Filed under: Film Review — Marian W @ 23:59

Ein kahlrasierter, tatöwierter Matt Damon als bettelarmer Arbeiter und Jodie Foster, die als Verteidigungsministerin so kaltblütig agiert wie einst Hannibal Lector – mit diesen Zutaten war dem Regisseur Neill Blomkamp die Aufmerksamkeit für seinen zweiten Film sicher. Dabei war der Südafrikaner schon mit seinem Debut “District 9” sowohl bei den Kritiken als auch an der Kinokasse überaus erfolgreich. Darin ging es um die Rassentrennung von Aliens in einem Ghetto namens District 9 – ein in dokumentarischem Stil gedrehter Sci-Fi-Actionfilm.

Auch in “Elysium” nimmt Blomkamp ein überdeutliches sozialkritisches Thema als Ausgangpunkt für einen SciFi-Blockbuster: Im Jahr 2154 lebt die Mehrheit der Menschen in bitterer Armut in zu Slums gewordenen Städten. Die wenigen Reichen haben sich auf eine Raumstation namens “Elysium” zurückgezogen, von wo aus sie die Armen ausbeuten.

Im Zentrum der Geschichte steht der “Good Guy” Max da Costa. Als er bei einem Arbeitsunfall verstrahlt und in Folge einfach entlassen wird, hat er nichts mehr zu verlieren. Der Countdown läuft: mit Hilfe einer Rebellen-Gang, die ihn in ein Exo-Skelett steckt, macht er sich auf nach Elysium. Dort liegt seine einzige Chance auf Heilung. Und weil er ein Guter ist, versucht er auch gleich noch die kranke Tochter seiner Jugendliebe und überhaupt die ganze unterpriviligierte Menschheit zu retten. Seine Widersacher sind die skrupellose Ministerin mit dem sprechenden Namen Delacourt (Foster) und ihr Hardcore-Söldner Kruger (Sharlto Copley), der neben der langweiligen Figur Matt Damons sogar irgendwie sympathisch wirkt.

Abgesehen von der Raumstation ist das zunächst einmal keine distopische Zukunftsfantasie, ‘Gated Communities’ und Slums existieren im globalisierten Hyperkapitalismus auch heute nebeneinander. Die Entscheidung in den Favelas von Mexiko City zu drehen ist also mehr als passend. Das Habitat Elysium dagegen mit seinen ausgedehnten Parks, Pools und herrschaftlichen Anwesen in Marmor wurde großteils im Studio und in echten Hollywood-Villen gefilmt. Das verleiht dem Film einen glaubwürdigen Kontrast zwischen der Rauheit der Armut und dem sterilen Luxus der Oberschicht. Der Look auf der Erde erinnert in manchen Momenten an die raue, dreckige, dunkle Realwelt in “Matrix”. Der Südafrikaner Blomkamp bleibt mit “Elysium” jedoch insgesamt visuell und moralisch auf der sonnigen und sicheren Seite. Aber er ist sich der sich der Schwierigkeit bewusst, das ernste Thema mit dem Unterhaltungsfaktor auszubalancieren. “Elysium” ist der ehrenwerte und erfolgreiche Versuch das Science-Fiction-Genre näher an die Gegenwart heranzuführen. Das birgt aber in diesem Fall mehr als sonst die Gefahr in sich, die Gegenwartskritik in eine irreale Zukunft abzuschieben. Ein guter Action-Film mit Anspruch ist “Elysium” aber allemal.

 

[erschienen in Die Dolomiten, Print-Ausgabe vom Do 12.9.2013]

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